Ja, Wahlumfragen ist zu glauben!

Wahlumfragen sind, vor allem bei Parteien und jetzt wo die Neuwahl ausgerufen wurde, wichtige Indikatoren für das Meinungsbild in Österreich. Die Frage ist, ob man diesen Umfragen Glauben schenken soll, oder diese besser nicht so ernst nehmen soll?

In den letzten Jahren haben wir bei verschiedenen Wahlen gesehen, dass Wahlumfragen oft gewaltig daneben liegen. Denkt man noch weiter zurück, so erinnert man sich aber durchaus auch an Wahlumfragen, die durchwegs präzise waren. Der Hintergrund dieser Ursache ist einfach erklärt: Früher gab es extrem viele Stammwähler und damit sehr eindeutige Deklarationen. Ein Großteil der Bevölkerung wählte von deren ersten bis zur letzten Wahl immer gleich!

Heute gibt es bedeutend weniger Stammwähler. Die Menschen orientieren sich nicht mehr ein Leben lang an einer Partei, sondern passen ihr Wahlverhalten an. Diese Anpassung passiert auf unterschiedlichen Ebenen: Jede Person wird durch unterschiedliche Inhalte, Themen, Aussagen, visuelle Reize, uvm. beeinflusst. Entweder bildet dann die Summe dieser Reize ein Wahlverhalten oder es gibt ein derart starkes Ereignis, dass alles andere übertrumpft und die Person nur aufgrund dieses einen Ereignisses eine Partei oder eine Person wählt.


Das ist natürlich keine allumfassende Erklärung, warum Wahlumfragen oft unpräzise sind, allerdings erklärt diese Feststellung sowohl ungenaue Wahlumfragen, als auch „überraschende“ Wahlergebnisse. Die Zeiten von präzisen Wahlumfragen wie im vorigen Jahrtausend sind vorbei!

Was man bei Umfragen beachten muss!

Kommen wir zurück zur Frage, ob man unter diesen Umständen Wahlumfragen Glauben schenken sollte? Neben meiner Erklärung oben gibt es zwei interessante Zitate:

Glaube keiner Umfrage die du nicht selbst gefälscht hast.

Natürlich wird bei Umfragen dort und da ein wenig getrickst. Allerdings gibt es standardisierte Verfahren und Qualitätsstandards, die für glaubwürdige Umfragen sorgen. Bevor man also eine Umfrage für bare Münze nimmt, sollte man sich anschauen wie die Umfrage aufgebaut wurde und welche Qualitätsstandards erfüllt wurden und welche nicht.

Nichts ist so alt wie die Umfrage die du gerade liest.

Das zweite Zitat ist bei der Bewertung einer Umfrage ebenso wichtig, wie Qualitätsstandards. Man sollte immer bedenken, dass jede Umfrage, gleich wie jede Wahl oder eine Prüfung auf der Uni oder in der Schule immer nur eine Abfrage eines kurzen Zeitraumes ist (oft mehrere Tage!). Das heißt, dass die Umfrage eben genau für den abgefragten Zeitpunkt gilt. Nicht mehr. Viele Umfragen, und das kann man aus den Qualitätsstandards ablesen, fragen außerdem unterschiedlich ab: Solche Mischbefragungen finden meistens telefonisch und im Internet statt und werden mit Straßeninterviews ergänzt. Zum Einen garantiert diese Methode einen großen Querschnitt, allerdings wird die Umfrage dadurch auch unpräzise. Sukkus aus all dem ist also der Inhalt der beiden Zitate: Eine Umfrage ist nach deren Qualitätsstandards zu bewerten und immer ein Rückblick auf vergangene Tage.

Aktuelle Wahlumfragen

Schauen wir uns nun aktuelle Wahlumfragen an. Hierzu gibt es eine tolle Seite, auf der alle Umfragen veröffentlicht werden. Außerdem werden Qualitätsstandards angegeben und mit den angegebenen Grafiken und Infos lassen sich gute Interpretationen ableiten: Wahlumfragen Österreich auf neuwal.com

Betrachtet man sich nun die letzten Wahlumfragen wird bestätigt, was ich vor einigen Tagen festgestellt habe. Hier noch einmal der alte Beitrag: Hypes haben immer ein Ende!


So erklärt sich auch der derzeitige Höhenflug der ÖVP bzw. Sebastian Kurz. Das starke Ereignis des Obmannwechsels, was viele Personen, auch wenn es nicht mit feiner Klinge und lange voraus geplant geschah, beeinflusst die Menschen sehr stark. Das hat auch die Google Trends Analyse im oben erwähnten Beitrag gezeigt. Schaut man sich die Daten in diesem Beitrag heute an, so zeigt sich, dass der Obfrauwechsel bei den Grünen fast genauso viel Aufmerksamkeit erzeugt. Der Obfrauwechsel der Grünen ist in den letzten Wahlumfragen jedoch noch nicht sichtbar.

Die spannende Frage die sich also stellt ist, wie lange diese Höhenflüge anhalten. In Deutschland haben wir bei Martin Schulz und der SPD gesehen, dass so ein Höhenflug recht schnell zu Ende sein kann.

Wahlumfragen ist also zu glauben, allerdings muss man die Hintergründe jeder Umfrage kennen um diese richtig bewerten zu können. Am besten ist es, Umfragen über lange Zeit (z.B. auf neuwal.com) zu beobachten. Über die Zeit lassen sich Trends am besten abschätzen!

Das Ergebnis meiner Umfrage:

Ich habe gefragt, wer der nächste Bundeskanzler werden soll. 37 Personen haben an der Umfrage teilgenommen und ein eindeutiges Ergebnis hervorgebracht:

76% (28 Personen) wollen Christian Kern, je 8% (3 Personen) wollen HC Strache, Sebastian Kurz oder „andere“ als Bundeskanzler sehen. Die Bewertung der Umfrage überlasse ich euch selbst 😉

Danke an alle Teilnehmer!

 

 

 

Weitere Empfehlung:




Plan A für Anpacken: Fördern. Absichern. Erleichtern. KMU Special: Teil 3 zur Serie

Unternehmen

Unter dem Titel „Plan A für Anpacken: Fördern. Absichern. Erleichtern.“ möchte ich euch die Vorhaben von Bundeskanzler Christian Kern zum Thema Wirtschaft zusammenfassen. Es ist der dritte Teil zur Serie Plan A.

Die Ausgangsbasis für Kerns Analyse zur Wirtschaft ist, dass 99,7% der Betriebe in Österreich KMU’s sind. 2/3 aller Arbeitnehmerinnen in Österreich sind in einem solchen kleinen oder mittleren Unternehmen beschäftigt und damit das Rückgrat der heimischen Wirtschaft. Dabei sieht Kern leistungsgerechte Steuern und die Reduktion von bürokratischen Hindernissen als wichtigste Maßnahmen an. Es kann nicht sein, dass globale Konzerne weniger Steuern zahlen, als ein Würstelstand!

Eine erste wichtige Forderung ist die Senkung der Lohnnebenkosten, gegenfinanziert durch höhere Steuern von globalen Konzernen. Die Lohnnebenkosten sollten um bis zu 3 Milliarden Euro gesenkt werden und damit Betriebe entlastet werden die Jobs schaffen. Die globalen Konzerne sollen über eine Sondersteuer für verschobene Gewinne besteuert werden und strengere Betriebsprüfungen stattfinden. (Details ab Seite 36 im Plan A)


Außerdem will Kern die Werbeabgabe auf Onlinekonzerne ausweiten (derzeit zahlen nur Österreichische Medien 5% Werbeabgabe), die Meldepflicht für Banken nach Vorbild Deutschlands einführen (Bekämpfung anonymer Briefkastenfirmen in Steueroasen) und eine 25 % Sondersteuer für verschobene Gewinne einführen. Diese Sondersteuer betrifft z.b. Amazon, die keine Niederlassung in Österreich haben, somit keine Steuern zahlen aber Produkte verkaufen und österreichische Unternehmen damit einen Wettbewerbsnachteil zufügen. Weiters hat der Bundeskanzler im Plan A vorgeschlagen, dass auch auf Geschäfte mit Daten Umsatzsteuerpflicht herrschen muss (Google zahlt zb. keine Steuern für den Datendienst Google maps) und es mehr Personal für Großbetriebsprüfungen geben muss. Ein Großbetriebsprüfer bringt beispielsweise durchschnittlich einen Steuermehrertrag von 2,25 Millionen bei Kosten von 74.000 Euro! Außerdem soll es strengere Großbetriebsprüfungen geben.

Unternehmen

Weiters fordert er 3 Maßnahmen, die KMU’s den Rücken stärken:

  • Die Reparaturprämie: Damit soll die Wegwerfgesellschaft bekämpft werden und Reparaturen bei heimischen Betrieben und damit die Wirtschaft gefördert werden. Die Rechnung der Reperatur soll bei einer Förderstelle eingereicht werden und 50% oder maximal 600€ sollen für die Reperatur gefördert werden.
  • Die Entgeltfortzahlung neu regeln: Wenn Mitarbeiter krank werden haben sie Anspruch auf die Fortzahlung ihres Entgeltes. Bis zum 43. Tag zahlt das der Arbeitgeber, danach die Krankenversicherung. Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern erhalten derzeit einen Zuschuss von 50% auf diese Beiträge. Fällt ein Mitarbeiter aus, belastet also die fehlende Arbeitskraft und die Entgeltfortzahlung das Unternehmen. Kern will den Zuschuss für Kleinstbetriebe (<5 Mitarbeiterinnen) auf 100% und für Betriebe bis 10 MitarbeiterInnen auf 75% ausweiten. Das betrifft rund 290.000 Unternehmen in Österreich, also fast 90% aller Unternehmen, die von dieser Regelung profitieren würden.
  • Den Selbstbehalt für Selbstständige streichen: Jede/r Selbstständige zahlt bei einem Arztbesuch 20% Selbstbehalt. Das belastet in Wahrheit das Gesundheitssystem und deshalb soll der Selbstbehalt völlig wegfallen.



Alles für die Aufmerksamkeit? Über Hypes und deren Dauer!

Heute möchte ich euch zum Thema „Alles für die Aufmerksamkeit? Über Hypes und deren Dauer!“ ein paar Grafiken zeigen, die die politischen Geschehnisse der letzten Tage ein wenig analysieren. Dazu gibt es von Google ein tolles Tool: Google Trends (Beachten muss man, dass Google Trends „nur“ Trends aus dem Internet darstellt. Was in der Welt außerhalb des Internets passiert, wird hier nicht erhoben. Trotzdem lassen sich wichtige Ableitungen treffen!)

Mit Google Trends kann man analysieren wie oft auf Google nach einem bestimmten Thema/Begriff gesucht wurde. Nachdem 95% der Menschen Google als Suchmaschine und gleichzeitig als Erste Seite im Explorer zur Eingabe nutzen, zeigt diese Analyse folgendes: Themen und Begriffe die häufig gesucht werden, interessieren die Menschen. Dass da die Politik nicht auf Platz 1 ist wissen wir alle aus diversen älteren Studien, auch wenn die Medien derzeit suggerieren, dass Sebastian Kurz und die Neuwahl Thema Nr. 1 ist.

Die Themen, die die Menschen derzeit am meisten interessieren lässt sich über folgenden Link gut abrufen. Man erhält eine Analyse der letzten 24 Stunden. Meistens sind die Hauptthemen Sport, Musik und Promis. Natürlich kann man auch einzelne vergangene Tage analysieren. (Klick hier) Es lässt sich feststellen, was also zu welchem Tag aktuell war.

Interessanter wird es meiner Meinung nach, wenn man gewisse Suchbegriffe über einen längeren Zeitraum abfragt. Ich habe heute Abend eine Analyse über die SpitzenkandidatInnen zur Wahl im Herbst abgerufen. Diese Analyse zeigt die Suchanfragen und damit die Aufmerksamkeit der User im Internet für den/die jeweilige SpitzenkanididatIn. Es zeigt sich über den Zeitraum von 15. April 2016 bis heute ein interessantes Bild:

 

 

Wir sehen, dass sowohl Christian Kern, als auch Heinz Christian Strache und Sebastian Kurz starke Aufmerksamkeitswerte zu bestimmten Zeiten hatten. (Reinhold Mitterlehner hatte im übrigen in dieser Zeit nie eine derartige Aufmerksamkeit) Zu jeder Spitze hatte der jeweilige Politiker immer die Themenführerschaft. Ist es jetzt durch den ÖVP Obmannwechsel Sebastian Kurz, war es nach der Präsentation des Plan A, Christian Kern. Der Hype um Christian Kern war im Jänner der am stärksten ausgeprägte Hype im Vergleich zu allen anderen, da dieser Wert bei 100 liegt. Strache folgt Ende Mai 2016 mit einem Wert von 86, Kurz aktuell mit einem Wert von 85.

EDIT: Die gleiche Analyse einen Tag später! Man darf gespannt sein, wie sich die Kurve weiter entwickelt.


 

Jeder Hype hat ein Ende!

Aus der Grafik lässt sich ablesen, dass jeder Hype, bei jedem Politiker ein Ende hat. Meist lässt sich dieser Hype bei den Politikern sogar auf einen ähnlichen Zeitraum einschränken, nämlich auf gut eine Woche. Das ist die Aufmerksamkeitsspanne der Bevölkerung. Wir werden sehen, dass auch der Hype um Sebastian Kurz genau so verlaufen wird.

Auf Dauer gesehen, nämlich über den Zeitraum von 15. April 2016 bis heute gibt es folgende Werte zur Häufigkeit der Suchanfragen: Strache führt mit der meisten Aufmerksamkeit und einem Wert von 19, Kern folgt mit einem Wert von 9, darauf folgt Kurz mit einem Wert von 8. Das sind alles sehr geringe Werte (siehe Grafik, Balken links). Aufmerksamkeit bekommen nach dieser Analyse nur jene, die der Bevölkerung die interessanteste Show bieten, diejenigen die am besten unterhalten, kurzfristig und langfristig. Das heißt aber noch lange nicht, dass diejenigen die die beste Show liefern, am besten unterhalten und die meiste Aufmerksamkeit erhalten auch gewählt werden. HC Strache hatte zur Nationalratswahl 2013 mehr als das doppelte an Aufmerksamkeit als Faymann und Spindelegger. Er hat dennoch nicht gewonnen. Es geht also auch darum, welche Aufmerksamkeit (negativ oder positiv) man erzeugt.

Dennoch braucht jeder Politiker Aufmerksamkeit um in die Köpfe der Menschen zu kommen. Diese Aufmerksamkeit muss langfristig sein, ansonsten wird man wieder vergessen. Wer von der Bevölkerung also die Aufmerksamkeit gewinnen will, braucht gute und authentische Inhalte, Sympathie und einem guten Unterhaltungswert. Wer diese Punkte bis kurz vor der Wahl auf sich vereinen kann, derjenige wird gewinnen. Ganz klar nach dem Motto: Brot und Spiele.




Weitere Empfehlungen:

Den Zeitraum und die Begriffe kann man bei Google Trends natürlich beliebig verändern, was sehr interessante Ergebnisse zeigt. Am besten selbst ausprobieren! (Beispiele: Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl 2013 im Vergleich, Parteien im Vergleich, etc.)

Eine interessante Feststellung am Rande ist, dass die Namen der Politiker sehr oft im Zusammenhang mit Facebook und deren Lebensgefährten gesucht werden: „Sebastian kurz Freundin“, „Eva Glawischnig Mann“, „Christian Kern Frau“, usw.

Umfrage: Wer soll Bundeskanzler werden?

Wer soll der nächste Bundeskanzler werden?

  • Christian Kern (SPÖ) (76%, 28 Votes)
  • Heinz Christian Strache (FPÖ) (8%, 3 Votes)
  • Sebastian Kurz (ÖVP) (8%, 3 Votes)
  • andere (8%, 3 Votes)
  • Eva Glawischnig (Grüne) (0%, 0 Votes)
  • Matthias Strolz (NEOS) (0%, 0 Votes)
  • Robert Lugar (Team Stronach) (0%, 0 Votes)

Total Voters: 37

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Plan A für Arbeit – Teil 2 zur Serie

Während Sebastian Kurz und die ÖVP gerade am Team Stronach 2, ähh Team Alleinherrscher Kurz (aber zahlen tut die ÖVP und deren Mitglieder) basteln, halte ich es für sinnvoller die konstruktiven Vorschläge aus dem Plan A genau anzuschauen.

Wie die letzten Tage angekündigt, möchte ich die die Inhalte des Plan A näher beleuchten. Heute beschäftige ich mich mit dem Plan A für Arbeit – dem Teil 2 zur Serie. In der Einleitung vor ein paar Tagen habe ich schon ein paar grundsätzliche Punkte zum Plan A erklärt. Hier kannst du die Einleitung noch einmal lesen: „Plan A – Wohlstand, Sicherheit und gute Laune?

Wir sollten alle wissen, was im Plan A drinnen steht, es geht schließlich um unser Österreich. Auch die anderen Parteien abseits der SPÖ sollten die Inhalte gut kennen und den Plan A nicht aus Prinzip ablehnen. Sachliche Diskussion muss im Vordergrund stehen! Matthias Strolz kurzfristiges 13 Punkte Programm an Kern hat mir da gut gefallen, andere Parteien sollten genauso sachlich folgen.



Plan A für Arbeit (Seite 16 – 27 im Plan A)

Zum gesamten Themenkomplex Arbeit formuliert Christian Kern ein Ziel: Vollbeschäftigung.

Dazu identifiziert er 5 Hauptgründe für Arbeitslosigkeit:

  • Schwaches Wachstum, zu wenige Jobs
  • Ausbildungsmankos
  • Vermittlungshandicaps
  • Alter
  • Zuzug aus dem Ausland

Vollbeschäftigung will Christian Kern mit einem 5-Punkte Programme erreichen:

  1. Die Wirtschaft in Schwung bringen und dadurch zusätzliche Jobs schaffen. Geplant ist ein Konjunkturpaket mit Investitionen in die Bereiche nachhaltige Energiepolitik, Wohnbau, digitale Infrastruktur aber auch soziale Dienstleistungen.
  2. Ausbildungsgarantie bis 25 (Ausbildungspflicht bis 18 bereits im Juli 2016 gemeinsam mit der ÖVP beschlossen!): Mit einer guten Ausbildung erhöhen sich die Zukunftsperspektiven deutlich. Außerdem soll es die zweite Ausbildungschance für alle geben.
  3. Christian Kern will spezialisierte Beratungs- und Betreuungseinrichtungen schaffen, die eine intensive Betreuung bei Vermittlungsproblemen liefern. So sollen diese Personen möglichst rasch wieder auf den Arbeitsmarkt zurück kommen.
  4. Mit der Beschäftigungsgarantie für Ältere soll jedem älteren Arbeitslosen nach spätestens einem Jahr Arbeitslosigkeit ein kollektivvertraglich entlohnter Arbeitsplatz zur Verfügung stehen. Unternehmen die ältere Arbeitslose aufnehmen sollen gezielt gefördert werden. Diese Arbeitsplätze sollen hauptsächlich in der Pflege, der Altenbetreuung und der kommunalen Infrastruktur entstehen.
  5. Als fünfte Maßnahme will Christian Kern den österreichischen Arbeitsmarkt schützen. Es darf keine Senkung des Lohnniveaus geben. Er will eine sogenannte Arbeitsmarktprüfung einführen: Wenn sich für eine Stelle kein geeigneter Arbeitsloser im Inland findet, kann diese Stelle an neu Zuziehende vergeben werden.

1500 Euro Mindestlohn

Neben dem 5-Punkte Programm für Arbeit will Christian Kern 1500 Euro Mindestlohn. Der unterste Mindestlohn für Vollzeitarbeit muss auf 1500 Euro angehoben werden, damit man davon auch gut leben kann. Vor allem in Bereichen in denen mehr Frauen als Männer tätig sind, werden oft Löhne deutlich unter 1500 Euro bezahlt. Die Sozialpartner sind aufgerufen einen Stufenplan zur Erreichung des Mindestlohns auszuarbeiten.

Arbeitszeitflexibilisierung

Mit Arbeitszeitflexibilisierung meint Christian Kern mehr Spielraum für ArbeitnehmerInnen in der Arbeitszeit um das Leben besser den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Das Verständnis von Unternehmen ist es oft, ArbeitnehmerInnen dadurch leichter 12 Stunden arbeiten zu lassen. Für Kern ist klar, dass Flexibilität für beide Seiten gelten muss. Außerdem fordert Kern Änderungen im Arbeitszeitrecht. Diese sind auf Seite 27 kurz und bündig dargestellt.

Mein Fazit zum Thema Arbeit im Plan A:

Christian Kern gibt mit seinem 5-Punkte-Programm, dem Mindestlohn und der Arbeitszeitflexibilisierung eine klare Richtung vor: Es gibt viel zu tun, fangen wir damit an. Es ist klar, wie im Einleitungsteil der Serie und im Plan A geschrieben, dass diese Maßnahmen immer ausgebaut und erweitert werden müssen um das Ziel der Vollbeschäftigung zu erreichen. Sie beschreiben den Weg, wie ihn Christian Kern und die SPÖ gehen würde. Genaue Details muss man natürlich sachlich diskutieren. Der Plan ist ein Vorschlag an die Bevölkerung und an alle anderen Parteien. Alle anderen Parteien sind zur Frage wie man die Arbeitslosigkeit bekämpfen, Jobs schaffen und die Wirtschaft ankurbeln kann jetzt seit Jänner am Zug. Leider hat keine der Parteien bis jetzt auch nur annähernd ihr Programm wie Vollbeschäftigung erreicht werden kann, vorgelegt. Dabei müsste dies das Hauptinteresse aller Parteien sein. Einige Punkte wären meiner Meinung nach sogar rasch umsetzbar:

Die Arbeitszeitflexibilisierung müsste mit der ÖVP ohne lange andauernde Diskussionen durchführbar sein. Der Schutz des österreichischen Arbeitsmarktes ebenso, auch mit der FPÖ.

Christian Kern hat mit diesen Forderungen gezeigt, dass er bereit für Kompromisse ist, wie es bei einer politischen Zusammenarbeit eben funktionieren muss. Es ist schade, dass diese Kompromissbereitschaft mit taktischen Machterhaltungsspielchen sabotiert wird. Alle Ehre Reinhold Mitterlehner, er hat sachlich gearbeitet und für das Wohl Österreichs verhandelt.

Abschließend stelle ich mir die Frage, wie andere Parteien eigentlich zur Vollbeschäftigung stehen? Will eine ÖVP oder FPÖ diese überhaupt? Bzw. diese Kurzpartei?

Leseempfehlungen:

Jean Ziegler: Das Imperium der Schande: Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung*

Günter Wallraff: Die Lastenträger: Arbeit im freien Fall – flexibel schuften ohne Perspektive*

Günter Wallraff: Leben ohne Mindestlohn – Arm wegen Arbeit: Niedriglöhner, Leiharbeiter und »Aufstocker« erzählen*